Nr. 21 | Winter 2005/2006

die doppelte kompetenz

Anthroposophische Kliniken in Europa

Editorial

„Krankenhäuser sollten zu Orten werden, in denen es den Menschen besser geht als zu Hause.“ Es ist ein provokanter Satz, den Ellis Huber und Kurt Langbein in ihrem Buch "Die Gesundheits- Revolution" (Aufbau-Verlag, 2004) da in den Raum stellen. Was wollen sie damit sagen? Jedes Krankenhaus sollte ein „therapeutisches Milieu“ bilden, in dem alle Maßnahmen nicht nur der Lebensrettung oder Therapie von Krankheiten dienen. Ein gutes Krankenhaus wäre vielmehr ein Ort, an dem gleichzeitig auch Gesundheit gefördert und ermöglicht wird. Ein Ort zudem, an dem es sich gut arbeiten lässt, ja sogar ein vorbildlicher, in die Region ausstrahlender Kristallisationspunkt,um auch die öffentliche Gesundheit zu fördern.

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so: Der massive Wettbewerbsdruck durch das neue Finanzierungs-
system, die chronische Unterfinanzierung der Investitionen durch die Länder zwingt alle Krankenhäuser zu heftigen Rationalisierungs-
maßnahmen. Wer überleben will, muss immer mehr und immer schwerer Kranke in immer kürzerer Zeit mit möglichst wenig Mitarbeitern behandeln. Am stärksten bedroht sind die kommunalen Kranken-
häuser. Aber auch die frei-gemeinnützigen ohne Privatkapital im Rücken haben es äußerst schwer, die gerade von ihnen vertretenen karitativen Ideale hochzuhalten (siehe www.kliniksterben.de).

Anthroposophische Krankenhäuser haben trotzdem, auch unter diesen schwierigen Verhältnissen, immer versucht, diesem Ideal der "guten Klinik" nahe-
zukommen. Auch in schwersten und lebens-
bedrohlichen Krankheitszuständen soll dort eine Medizin praktiziert werden, die sowohl die modernsten Methoden der naturwissenschaftlich orientierten Medizin als auch die bewährten Methoden der seriösen Komplementärmedizin einsetzt. Spezialisierung und Ganzheitlichkeit – das macht die doppelte Kompetenz in den Anthropo-
sophischen Kliniken aus.

Beides steht im Dienst des Patienten: "Unterstütze den kranken oder hilfsbedürftigen Menschen darin, seine individuellen Möglichkeiten zu erkennen und in der Auseinandersetzung mit seinem Leib, seinem Schicksal und seiner Umwelt neue Verwirklichungs-
möglichkeiten zu erlangen." So hat es Gerhard Kienle, Gründer des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke, formuliert, und diesem Leitsatz fühlen sich alle anthroposophischen Einrichtungen in Europa, die wir Ihnen in diesem Heft vorstellen, verpflichtet – heute und in Zukunft, auch unter schwierigen Bedingungen.

Übrigens: medizin individuell ist vor kurzem der
"red dot award: communication design" verliehen worden. Dieser begehrte Preis wird alljährlich vom Design Zentrum Nordrhein-Westfalen international ausgeschrieben und vergeben. 2005 wurden 3.094 Arbeiten aus aller Welt eingereicht. medizin individuell wurde von der Experten-Jury in der Kategorie „Printkommunikation“ mit einem „red dot für hohe Designqualität“ ausgezeichnet, womit sowohl Form als auch Inhalt honoriert wurden. Für uns ist das Ansporn und Verpflichtung, Ihnen Anthroposophische Medizin weiterhin lebendig und anschaulich nahezubringen.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke

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Anthroposophische Krankenhäuser und Einrichtungen sind in der Kliniklandschaft immer etwas Besonderes. Hier können Sie die vollständige Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.